Notiz · 7. Juni 2026
[ku] 15/26 Kunst
Was bleibt, wenn das Bild kein Abbild mehr ist.
Aus der Serie Disruption · Roman Thomas
Auch dort, wo meine Bilder nicht mehr fotografisch entstehen, bleibt die Frage dieselbe.
Dieselbe Frage, andere Mittel
Ein Teil meiner Arbeit entsteht nicht mehr mit der Kamera. Und doch geht es um nichts anderes. Auch hier suche ich keinen Ort, sondern einen Zustand. Das Vertraute, das fremd wird, und das Fremde, das vertraut scheint.
Was bleibt, ist nicht das Abbild, sondern ein Gefühl.
Disruption
Ausgangspunkt war die klassische Porträtkunst der Renaissance, diese ruhigen Gesichter mit geschlossenen Augen, entrückt und still. Aus diesen Bildnissen habe ich etwas Neues geformt. Kein Abbild, keine Erinnerung, sondern einen Zwischenraum. Ein Blick auf etwas, das es nie gegeben hat und doch seltsam vertraut scheint.
Die KI ist dabei mein Werkzeug, wie ein Pinsel. Ich schichte, greife ein, verwerfe, so lange, bis das Bild da ist, das ich im Kopf hatte. Was mich treibt, ist eine Frage, keine Technik. Was ist Wahrheit in einer Zeit, in der Bilder nicht mehr beweisen, sondern erzählen.
In the Shape of Feeling
Auch hier wollte ich kein Porträt. Ich wollte einen Körper, eine Haut, eine Form, die spürbar macht, was zwischen Menschen entsteht, wenn Nähe, Macht und Verlangen sich nicht mehr trennen lassen. Aus dieser Dynamik ist eine einzige, verschmolzene Gestalt entstanden, fremd und doch menschlich.
Nicht das Gesicht zählt, sondern das Gefühl. Das ist dieselbe Frage, die schon in Hidden Places und Heimat steckt, nur mit anderen Mitteln gestellt.