Zeichnende Hand über einem Skizzenblatt mit der Notiz drei Minuten und einer schnellen Figur
Geschichte 02 · 10. Juli 2026 · Tag der bildenden Kunst

Wenn der Körper zur Bühne wird

BegegnungGedanke
Diese Geschichte knüpft an: Die Begegnungen vom ersten Abend setzen sich fort. Heute feiert ganz Finnland die Kunst, und Hämeenlinna feiert mit.
Begegnung

Finnland leistet sich etwas Wunderbares: einen eigenen Feiertag für die Kunst. Der Tag der bildenden Kunst wird jedes Jahr am 10. Juli gefeiert, dem Geburtstag der Malerin Helene Schjerfbeck (1862 bis 1946), deren stille Selbstporträts bis heute zum Größten gehören, was die finnische Malerei hervorgebracht hat. Im ganzen Land entstehen an diesem Tag Kunstaktionen, offene Ateliers und gemeinsame kreative Begegnungen. Kunst wird hier nicht nur gezeigt, sie wird miteinander erlebt.

In Hämeenlinna lädt das Museo Skogster mitten in der Stadt zu einer offenen Croquis-Runde. Croquis heißt: schnelles Zeichnen nach Modell, kurze Posen, drei Minuten, dann die nächste. Wer mag, setzt sich dazu, bekommt Papier und fängt an. Um das Modell herum entstehen im Halbkreis viele sehr unterschiedliche Linien und Deutungen desselben Augenblicks.

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Kunst wird hier nicht nur gezeigt, sie wird miteinander erlebt.
Ausstellungsraum im Museo Skogster mit beleuchtetem Bühnenbogen und funkelnden Kostümen
Begegnung · Die Bühne der Ausstellung Yöperhoset: Federumhang und Glitzer unter dem Bogen
Gedanke

Der Ort könnte nicht besser passen. Das Museo Skogster ist das Haupthaus des Hämeenlinnaer Stadtmuseums, und die Croquis-Runde findet mitten in der Ausstellung Yöperhoset, kimallusta ja kannanottoja statt, auf Deutsch etwa Nachtfalter, Glitzer und Haltung. Sie erzählt aus der Welt von Burlesque, Drag und Tanz, mit Bühnenbogen, Federumhängen und funkelnden Kostümen an Figurinen, und läuft noch bis Anfang Januar 2027. Veranstaltet wird sie gemeinsam vom Stadtmuseum, dem Künstlerverein der Stadt und Lady Misty May selbst. Zwischen den Vitrinen zu zeichnen, während das Thema der Ausstellung leibhaftig vor einem sitzt, hat eine eigene Dichte.

Zeichnende Hand über einem Skizzenblatt mit der Notiz drei Minuten
Croquis-Runde im Museumsraum, Zeichnende im Halbkreis um das Modell
Lady Misty May steht als Modell im Bühnenkostüm vor dem beleuchteten Bogen
Lady Misty May in liegender Pose auf einer Bank, von hinten gesehen, umgeben von Bühnenkostümen
Lady Misty May sitzend, durch eine spiegelnde Scheibe gesehen, Blumen im Haar
Skizzenblock mit schnellen Figurenstudien, daneben Stifte
Zeichnende mit schwarzem Hut über dem Skizzenblock, im Hintergrund posiert das Modell
Mehrere fertige Croquis-Skizzen nebeneinander
Lady Misty May von hinten, die Arme in langen Handschuhen über dem Kopf verschränkt, vor dem beleuchteten Bogen
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Die Croquis-Runde Drei Minuten pro Pose, dann die nächste Linie
Lady Misty May, gesehen durch eine spiegelnde Vitrinenscheibe zwischen Kostümen
Durch das Glas der Vitrine
Vitrine mit kleinen Figuren und Kostümdetails der Ausstellung
Details der Ausstellung Yöperhoset
Überkreuzte Beine in Netzstrümpfen mit Blüte am Schuh, im Hintergrund die Zeichnenden
Gedanke · Auch das Detail erzählt die Pose. Der Blick sucht sich seinen Ausschnitt
Begegnung

Mitorganisiert hat den Nachmittag der Künstlerverein der Stadt: die Hämeenlinnan Taiteilijaseura, gemeinsam mit dem Stadtmuseum und Lady Misty May. Der Verein besteht seit 1948 und hat seinen Werkraum in der alten Kunstkaserne Poltinaho an der Miehistönkatu 5. Seit fast achtzig Jahren gibt er der Kunst dieser Stadt ein Zuhause, mit Ausstellungen, Gemeinschaftsateliers und Aktionen wie dieser offenen Croquis-Runde.

Den Vorsitz hat Tuire Toivola, bildende Künstlerin. Kennengelernt haben wir uns vor drei Jahren, über den Austausch zwischen der Künstlergruppe um Minttu Saarinen und unserer BBK-Ortsgruppe in Celle: Alle zwei Jahre besuchen sich Künstlerinnen und Künstler beider Städte gegenseitig, und damals war ich mit einer kleinen Gruppe zum ersten Mal hier. Dass meine eigene kleine Ausstellung heute genau in diesem Umfeld hängt, schließt einen Kreis.

Tuires eigene Arbeiten entstehen mit Tusche, Aquarell und Mischtechnik, mit Acryl, Öl und Kohle. Es sind stille, der Natur zugewandte Bilder, in denen Wasser, Licht, Ufer und Meer immer wiederkehren: Blätter wie Valoa kohti (Dem Licht entgegen), die Serie Vedenalainen, maanpäällinen (Unter Wasser, über der Erde) oder die siebenteilige Kohlefolge Eräänä päivänä lähden merelle (Eines Tages fahre ich hinaus aufs Meer). Für die zweite Woche der Residenz ist ein Besuch in der Galerie des Vereins verabredet, ich freue mich darauf.

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Dass meine Bilder heute in genau diesem Umfeld hängen, schließt einen Kreis.
Manche Nachmittage bleiben, weil in ihnen mehrere Dinge zugleich passieren.“
Aus der Notiz zum Croquis-Nachmittag, Tag 2