Wo das kreative Herz der Stadt schlägt
Es gibt Orte, die einen im ersten Moment für sich einnehmen. In Hämeenlinna ist das für mich das Kulttuurikonttori, das alte Holzhaus an der Lukiokatu 16, das ich seit meinem ersten Abend kenne und in dem seit Tag zwei auch ein paar meiner eigenen Bilder hängen. Von außen ein schönes, unaufgeregtes Holzhaus mitten in der Stadt. Von innen viel mehr als eine Galerie.
Das Haus ist ein Treffpunkt für Künstlerinnen, Musiker, Macherinnen und alle, die Freude an dem haben, was Menschen mit ihren Händen und Ideen schaffen. Neben wechselnden Ausstellungen in der künstlergeführten Galerie mit dem alten Kachelofen gibt es Ateliers, Kurse und Vorträge, einen Kunstverleih, einen kleinen Laden mit handgemachtem Design und über das ganze Jahr Veranstaltungen. Geöffnet ist täglich von 11 bis 18 Uhr, und eigentlich passiert immer etwas.
Heute zeigt das Haus seine laute Seite. Ämykesä 2026, der mittlere von drei Sommerterminen im Innenhof: Live-Musik auf der kleinen Bühne, ein Flohmarkt, eine Kleidertausch-Station, kleine Workshops an langen Tischen, Kaffee und viele Gespräche. Der Eintritt ist frei, man kommt, bleibt, geht und kommt wieder.
Organisiert wird das Ganze von Ämy ry, dem Verein für lebendige Musik von Hämeenlinna, 1978 gegründet. Seit bald fünfzig Jahren prägt er die unabhängige Kulturszene der Stadt und steht unter anderem hinter ÄMYROCK, das als ältestes kostenloses Festival Finnlands gilt. Genau diese Mischung aus Beharrlichkeit und Leichtigkeit spürt man dem Nachmittag an: nichts ist glattgebügelt, alles ist gemeint.
Ich fotografiere den ganzen Nachmittag: die Band im Gegenlicht, die Tanzenden zwischen den Kleiderständern, die Collagen an den langen Tischen, das Lachen im Publikum. Keine geplante Serie, einfach spontane Fotografie: Ich halte fest, was ich sehe, ungeordnet, bewusst roh. Es ist genau die entspannte Stimmung, die lokale Kultur so besonders macht, und sie lässt sich nicht inszenieren, nur finden.
Und während im Hof die Musik läuft, hängen drinnen im Haus seit Tag zwei ein paar meiner eigenen Bilder. Der Kreis schließt sich gerade auf die schönste Art: Der Ort, der mich am ersten Abend empfangen hat, ist jetzt Bühne, Motiv und Gastgeber zugleich.
Zwischen zwei Liedern ergibt sich eine dieser Begegnungen, für die dieser Ort gemacht ist: Ich komme mit Noo ins Gespräch, einer Singer-Songwriterin aus Hämeenlinna. Sie schreibt Lieder auf Gedichtbasis, deren Klang sich zwischen Jazz und Folk bewegt, mit einer zart-klaren Stimme, die zu diesem Nachmittag passt wie das Licht im Hof.
Wir sprechen über ihre Arbeit, über das Wesen der Finnen und über den kulturellen Austausch, der solche Nachmittage überhaupt erst möglich macht. Bei ihr geht dieser Austausch gleich weiter: Noch in diesem Jahr zieht sie als Musikerin für eine Artist-in-Residence nach Frankfurt an der Oder. Vielleicht kreuzen sich unsere Wege dann wieder, auf deutscher Seite.
Genau die entspannte Stimmung, die lokale Kultur so besonders macht.“Aus der Notiz zum Ämykesä, Tag 3