Ein Wald, aus Liebe gepflanzt
Für diese Geschichte braucht es zuerst einen Mann mit schwarzem Hut. Terho Aalto, Jahrgang 1953, hat sein Handwerk an der Kunsthochschule in Helsinki gelernt und war über drei Jahrzehnte Pressefotograf der Lokalzeitung Hämeen Sanomat, von 1984 bis 2017. Seitdem arbeitet er frei und hat sechzehn Einzelausstellungen gemacht, in Finnland, Norwegen und Berlin. Seine Berliner Ausstellung von 2018 hieß ausgerechnet Begegnungen. Man erkennt ihn von weitem, am schwarzen Hut, den er seit Jahren trägt.
Die Zeitung, für die er so lange fotografierte, nannte ihn einmal süchtig nach Menschen, und er selbst beschreibt seine Arbeitsweise so: kein aufgebautes Setting, beobachten und Momente im Flug fangen. Unsere erste gemeinsame Tour führte uns an den Rand der Stadt, in einen Wald, der keinem anderen gleicht: die Tuijametsä.
Ein schmaler Bohlensteg zieht sich zwischen den Stämmen hindurch, der Boden ist ein Geflecht aus Wurzeln, Steinen und Nadeln, und das Licht fällt grün gefiltert bis auf den Grund. Terho ging voraus, ich hinterher, und beide blieben wir ständig stehen. Zwei Fotografen im Wald, das dauert.
Denn die Tuijametsä ist kein gewachsener finnischer Wald, sondern ein gepflanzter: kanadische Lebensbäume und Riesen-Lebensbäume auf kaum einem halben Hektar, mitten im Landschaftspark von Aulanko. Ein Bach aus dem Metsälampi zieht sich hindurch, und selbst an hellen Tagen hält der Wald seine Besucher im Schatten. Die meisten, die durch den Park spazieren, laufen an ihm vorbei, ohne ihn zu bemerken.
Die Geschichte dieses Parks beginnt mit Otto Carl Rehbinder, dem Gouverneur der Provinz Häme. Er ließ in den 1850er Jahren einen Fahrweg vom Stadtrand hinaus nach Aulangonniemi bauen und begann, die Landzunge zu einem Parkgelände zu roden. Doch die Arbeit blieb unvollendet liegen, und der Berg wartete auf den Mann, der aus diesem Anfang etwas Großes machen würde.
Dieser Mann war Hugo Standertskjöld, geboren 1844 auf einem Gut in Janakkala, reich geworden als Waffenfabrikant in Russland. 1883 kaufte er das Gut Karlberg am Fuß des Berges als Sommersitz und begann zu bauen, über zwanzig Jahre lang, zeitweise mit 250 Arbeitern. Wege und Alleen, zwei künstliche Seen mit Schwänen, Pavillons, ein Tempel des Glücks, eine romantische Burgruine aus Granit, ein Aussichtsturm, und dazwischen Hunderte Arten exotischer Bäume und Blumen. Aus einem finnischen Hügel wurde ein Parkwald, der in Finnland seinesgleichen suchte.
Warum tut ein Mensch das? Die Geschichte, die man sich hier erzählt, geht so: Als junger Offizier in Polen hatte sich Standertskjöld in eine polnische Gräfin verliebt. Jahrzehnte später baute er ihr diesen Park, damit sie zu ihm nach Finnland käme. Sie kam nie, keinen einzigen Schritt über die Ostsee. Standertskjöld blieb sein Leben lang unverheiratet, und den Park öffnete er für alle. Seit 1930 ist der Parkwald Naturschutzgebiet. Wer heute über den Bohlensteg durch die Lebensbäume geht, geht durch das Denkmal einer Liebe, die nie angekommen ist.
Ein ganzer Park für eine Frau, die ihn nie gesehen hat.“Notiz aus der Tuijametsä
Ein paar Tage später stand Terho wieder vor der Tür, diesmal mit einem vollen Tagesprogramm. Davon erzählt die nächste Geschichte.