Die Verbinderin
Minttu, Janne und ich saßen im Café und sprachen über unsere Projekte, als uns ein Fremder ansprach. Er hatte gehört, dass ich etwas auf Deutsch sagte. Gabriel Landstedt, Konzertpianist aus den USA, aufgewachsen in New Mexico, Klavierunterricht ab fünf bei seiner Mutter, Orchesterdebüt mit sechzehn, Stationen in Würzburg und New York. Lange blieb er nicht, er war auf dem Weg zur Bahn nach Helsinki. Aber unsere Wege haben sich an diesem Tag an diesem Ort gekreuzt, wir haben uns ausgetauscht und über Instagram verbunden. Wann lernt man schon so spontan solche Menschen kennen?
Die schönste Fußnote habe ich erst später erfahren: Gabriel spielte in diesen Tagen sein Finnland-Konzert in Ainola, dem Wohnhaus von Jean Sibelius. Und Sibelius ist hier geboren, in Hämeenlinna. Der Zufall hatte also einen Takt.
Und dann ist da Minttu Saarinen, die zentrale Figur meiner Zeit hier. Sie ist Künstlerin und zugleich die treibende Kraft hinter allem: Sie organisiert, verbindet und fördert, sie hat diese Residenz möglich gemacht, und sie denkt dabei immer einen Schritt weiter. Ich bin fasziniert von ihren Arbeiten, von ihrem präsenten Auftreten und davon, wie sie das alles auf die Beine gestellt hat. Es braucht mehr solcher Menschen auf dieser Welt.
Mit Minttu zusammen gestalten wir gerade die Zukunft dieses Austauschs: zwischen den Menschen, den Künstlern, den Städten Celle und Hämeenlinna, und nicht zuletzt zwischen Finnland und Deutschland. Die Idee ist ein wechselseitiger künstlerischer Austausch mit Arbeitsaufenthalten und Ausstellungen auf beiden Seiten. Womit die Künstlerinnen und Künstler dabei ankommen, bringt jede und jeder selbst mit, das ist gerade der Reiz. Der Anfang ist gemacht, diese Residenz ist der Beweis, und für eine Fortsetzung in Celle gibt es bereits Interesse. Die beiden Städte sind seit 1972 Partnerstädte, es gibt also ein Fundament, auf dem sich bauen lässt.
Wenn ich auf diese Wochen zurückschaue, ist das vielleicht die eigentliche Erkenntnis dieser Kennenlern-Tage: Nichts davon war nur Zufall. Es war Offenheit, auf beiden Seiten. Zufall trifft hier immer auf offene Türen.
Nichts davon war nur Zufall.“Notiz, Mitte Juli