Blaubeerkuchen und stille Bilder
Am Nachmittag besuchte ich Tuire Toivola in der Galerie Noste. Tuire ist die Vorsitzende des Künstlervereins von Hämeenlinna, und sie empfing mich mit frischem Kaffee und einem selbstgebackenen Blaubeerkuchen. Was für liebevolle und offene Menschen die Finnen doch sind.
Tuire, Jahrgang 1973, ist Malerin. Ausgangspunkt ihrer Bilder ist meist ein Gefühl, sagt sie, und sie wechselt je nach Jahreszeit zwischen Aquarell, Acryl, Kohle und Tusche. Ihre Formate sind bewusst klein: Kleine Werke zwingen zur Nähe. Seit 2023 führt sie den Verein, und die Galerie, in der wir saßen, gibt es vor allem, weil sie sie angeschoben hat. Als Noste Ende 2024 eröffnete, sagte sie der Lokalzeitung einen Satz, den ich seither mit mir herumtrage: Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, den tristen Zeiten zu widerstehen.
Der Verein selbst ist älter, als man denkt. 1946 begann er als Hiilikerho, als Kohleklub, ein Zeichenzirkel mit Kohlestift. Heute arbeiten die Mitglieder in Ateliers in einer alten Kaserne, und schon 1962 pflegte der Verein einen Austausch mit Weimar. Der Blick über Grenzen liegt diesem Verein also im Blut. Das passt zu dieser Stadt: Celle und Hämeenlinna sind seit 1972 Partnerstädte, in Celle gibt es seit 1974 eine Straße mit ihrem Namen, und hier eine Celler Straße.
Tuire zeigte mir die aktuelle Ausstellung: Hiljaiset kuvat, stille Bilder, Aquarelle von Joonas Sirviö. Kleine, leise Blätter über das Menschsein und über Gefühle, die verborgen bleiben. Sirviös Weg hat mich fast so beeindruckt wie die Bilder: erst Metallurgie-Ingenieur, dann Kunstschulen in Helsinki und Dublin, heute lebt er in Helsinki und malt halbabstrakt, auf der Suche nach dem, was er selbst Harmonie im Chaos nennt.
Wie so oft in diesen Tagen bekamen wir überraschenden Besuch. Tommi Lundberg kam herein, Karikaturist und Porträtmaler aus Hämeenlinna, Autodidakt mit einer Selbstbeschreibung, die man nicht besser erfinden könnte: taivaanrannan maalari, Horizontmaler, das finnische Wortspiel für einen Träumer. Und hier schloss sich der Kreis vom Vormittag: Tommi gehört zur Karikaturisten-Gilde, deren Jahresausstellung am nächsten Tag bei Anu eröffnet, genau dort, wo ich am Morgen meine Rahmen besprochen hatte. Was für ein Zufall, und was für eine schöne Begegnung.
Zusammen wurden wir noch eingeladen und saßen einen langen Nachmittag unter alten Bäumen in der Innenstadt, mit einem kalten Getränk. Wie so oft hier sprachen wir nach kurzer Zeit über sehr persönliche Dinge, über unsere Erfahrungen mit der Kunst, über das Arbeiten, das Kunstgeschäft, die Vereinsarbeit. Morgen kommen beide in meine Ausstellung. Es ist schön zu sehen, wie unterschiedlich unsere Länder sind, und wie sehr sich unsere Sorgen, Nöte und Hoffnungen gleichen.
Ein Nachmittag unter alten Bäumen.“Notiz aus der Innenstadt von Hämeenlinna