
Was die Fotos zeigen
Heute kam Post aus dem Landtag. Die SPD-Fraktion hat allen Jurymitgliedern Fotos von unserer Sitzung am 2. Juli geschickt, der Sitzung, in der wir uns für Leyla Yenirce entschieden haben. Elf Wochen ist das her. Ich habe die Bilder lange angeschaut, als Fotograf und als einer, der selbst darauf zu sehen ist. Eine ungewohnte Rolle. Sonst stehe ich auf der anderen Seite der Kamera. Und beim Anschauen war sofort das Gefühl von damals wieder da: Ich bin aus dieser Sitzung mit einem richtig guten Gefühl rausgegangen.
Die beiden Geschichten davor erzählen, wie die Entscheidung entstanden ist und welche Arbeit ihr vorausging. Diese hier ist kürzer. Sie zeigt den Ort und die Menschen, und sie erzählt, warum der Berufsverband an diesem Tisch sitzt. Was in der Sitzung besprochen wurde, bleibt in der Jury.


Wer an eine Jury denkt, stellt sich vielleicht einen kleinen Raum mit schweren Sesseln vor. Der Saal im Landtag ist hell: lange weiße Tische, blaue Stühle, Holz an den Wänden, hohe Fenster. Vor jedem Platz steht ein Mikrofon. Und die Fraktion hatte sich viel Mühe gegeben. Es gab Kaffee in weißen Tassen und leckere Brötchen, dazu Wasser und Saft, und die Atmosphäre war einfach nett. Zwischen den Tassen lagen die Stapel mit Unterlagen.
Ein Teil der Jury saß im Saal, wer nicht nach Hannover kommen konnte, war per Microsoft Teams zugeschaltet, auf einem großen Bildschirm an der Wand. Das klingt nach Technik, geht aber gut, wenn alle Geduld haben. Man meldet sich, man lässt ausreden, man wartet, bis der Ton aus der Ferne ankommt. Das macht das Gespräch langsamer. Einer Entscheidung tut das manchmal gut.
Was mich an diesem Tag überrascht hat: wie konstruktiv und wie wertschätzend der Austausch war. Ich hätte nicht gedacht, dass wir in so kurzer Zeit so viel miteinander abstimmen. Was genau besprochen wurde, bleibt in der Jury. Aber mit der Entscheidung bin ich sehr zufrieden.
Die Jury war wirklich toll besetzt. Dazu gehörten Anne Prenzler, kuratorische Leiterin der Städtischen Galerie KUBUS in Hannover, die den Vorsitz hatte, und Dr. Anna Heinze, Direktorin des Landesmuseums Kunst & Kultur Oldenburg. Eva Birkenstock, Direktorin der Kestner Gesellschaft Hannover. Ina Grätz, Wissenschaftliche Direktorin der Kunsthalle Emden. Nils-Arne Kässens, Direktor des Museumsquartiers Osnabrück. Christoph Platz-Gallus, Direktor des Kunstvereins Hannover. Carolin Knüpper vom Kunstverein Wolfenbüttel. Prof. Anette Haas vom Institut für Gestaltung und Darstellung der Leibniz Universität Hannover, Prof. Dr. Rahel Puffert von der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und Prof. Dr.-Ing. Monika Steinberg, Dekanin an der Hochschule Hannover. Und ich für den BBK Niedersachsen.




Dr. Anna Heinze leitet seit dem 1. Dezember 2025 das Landesmuseum Kunst & Kultur Oldenburg. Sie hat Kunstgeschichte, Mittelalterliche Geschichte und Kommunikationswissenschaften in Bamberg und Berlin studiert und über den liegenden Frauenakt in der Malerei der Renaissance promoviert. Seit 2016 war sie am Haus Kuratorin für Bildende Kunst, Kunstgewerbe und Design, später stellvertretende Direktorin. In ihrem Museum war bis zum 23. August die Ausstellung „Werdegang“ von Leyla Yenirce zu sehen.
Anne Prenzler hat die kuratorische Leitung der Städtischen Galerie KUBUS in Hannover. Der KUBUS am Theodor-Lessing-Platz gehört zum Kulturbüro der Landeshauptstadt und versteht sich als Plattform für die Kunstszene vor Ort, die sie mit Diskursen und Menschen über die Region hinaus verbinden will. In unserer Jury hatte Anne Prenzler den Vorsitz.

Ich saß in dieser Jury als Vertreter des BBK Niedersachsen, nicht als Privatperson. Den Bund Bildender Künstlerinnen und Künstler für Niedersachsen gibt es seit 1946. Rund 800 Künstlerinnen und Künstler gehören heute dazu, in elf Bezirksgruppen, eine davon bei uns in Celle. Der Verband ist demokratisch aufgebaut und frei von parteipolitischen Bindungen. Er setzt sich für geregelte Ausstellungsvergütungen ein, für Verbesserungen in der Künstlersozialversicherung und dafür, dass Urheber- und Folgerecht in Europa einheitlich geregelt werden.
In einer Jury sitzen Menschen, die Kunst zeigen, sammeln, vermitteln und lehren. Der Verband bringt die Sicht derer mit, die sie machen. Wenn ich dort etwas sage, geht es nicht um meinen Geschmack. Es geht darum, dass die Arbeit vieler Kolleginnen und Kollegen in Niedersachsen überhaupt auf den Tisch kommt. Jedes Jurymitglied konnte Vorschläge einbringen, und genau dafür braucht es jemanden, der die Szene von innen kennt.

Das Foto sieht aus wie ein Gruppenbild, ist aber keins. Es zeigt nur die drei, die zu diesem Zeitpunkt noch vor Ort waren. Die Jury war wesentlich größer. Am 6. Oktober wird der Preis im Sprengel Museum in Hannover an Leyla Yenirce übergeben. Ich freue mich sehr darauf, und davon erzähle ich danach.