Sie fangen an zu leben
Heute habe ich die fertig gerahmten Bilder bei Anu abgeholt und war begeistert. Es ist etwas ganz anderes, wenn man den ganzen Tag die Bilder am Rechner sieht und sie klein ausdruckt, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen: was funktioniert und was nicht, was zusammengehört, was daraus entsteht. Doch dann sind sie in ein schlichtes Passepartout eingefasst und hängen in einem Rahmen, in einem Format, bei dem einem erst einmal das Herz aufgeht.
Sie fangen an zu leben, und diesen Zeitpunkt liebe ich wohl am meisten. Das wirklich harte Aussortieren hat man hinter sich, und nun dürfen sie sich zeigen, vor einem an der Wand. Sie grenzen sich voneinander ab, sie präsentieren sich und fangen an, ihre Geschichte zu erzählen.
Es ist nur eine kleine Auswahl, die ich extra für die Galerie in Hämeenlinna gedruckt und gerahmt habe. Ich lasse sie hier zurück, in der Hoffnung, dass sie die Menschen zum Nachdenken anregen, Freude bereiten oder an die erinnern, die längst vergangen sind.
Ein Bild kann so viel, und erst im Sehen und im Sprechen darüber entfaltet sich das ganze Wunder der Kunst: die Kunst, mehr auszulösen, als nur ein schönes Bild anzusehen. Die Kunst, Menschen mitzunehmen auf die eigene Reise, in die eigene innere Welt.
Es ist meine innere Welt, die ich da so offen zeige. Die Bilder verbinden und trennen, sie lassen einen schmunzeln und manchmal auch ein wenig gruseln. Aber der Punkt ist der: dass Du etwas spürst. Wenn es Dich berührt, wenn es Dein Inneres trifft.
Nicht immer und auch nicht bei jedem. Aber manchmal treffen sich zwei Innenwelten und beginnen zu leuchten. Dieses Leuchten in den Augen der Betrachterinnen und Betrachter ist das, was mich immer wieder berührt.
Neben den Bildern im Kulttuurikonttori hängt die Tafel mit dem QR-Code. Wer mag, findet dahinter alle 161 Motive in der Onlinegalerie, sucht sich sein Lieblingsbild aus und bestellt es bei mir. Gedruckt wird bei Raatikuva ein paar Straßen weiter, gerahmt bei Anu, wenn jemand das möchte. So bleibt hier auch dann noch etwas, wenn ich längst wieder in Celle bin.
Danke, liebe Minttu, dass ich diese Zeit hier sein durfte und mich Tag für Tag nur mit meinem Sehen beschäftigen konnte. Auf bald im kommenden Jahr, dann mit Sicherheit mit einer neuen Perspektive auf all die Dinge.
Sie fangen an zu leben, und diesen Zeitpunkt liebe ich wohl am meisten.“Notiz aus der Ausstellung