Kiitos, Hämeenlinna
Ein Abschied hat immer auch zwei Seiten. Die Freude, die eigene Familie wiederzusehen, gemeinsam auf dem Balkon zu sitzen, das morgendliche Ritual mit Kaffee und Kakao. Es sind die kleinen Dinge, die einem am Ende am meisten fehlen.
Auf der anderen Seite habe ich in diesen wirklich kurzen zwei Wochen so viele Menschen kennengelernt und bin liebevoll, herzlich, wertschätzend, persönlich und offen empfangen worden. Ich glaube, ich habe hier in zwei Wochen so viele neue Menschen kennengelernt wie in den letzten zwei Jahren nicht.
Das ist das Schöne an so einem Austausch. Man kommt aus seiner Komfortzone, muss sich auf andere Menschen, Orte und Sitten einlassen und ihnen mit offenem Blick begegnen. Um hinterher festzustellen, dass uns doch mehr verbindet als trennt.
Gerade in diesen Zeiten, in denen sich viele Menschen gegenüber anderen abgrenzen und totalitäre Züge annehmen. Das hat noch niemandem geholfen und hat viel Leid über so viele Menschen und Nationen gebracht. Deshalb ist es so verdammt wichtig, nach draußen zu gehen in die Welt, den Menschen vor Ort zu begegnen, ins Gespräch zu kommen, miteinander zu essen, zu diskutieren und seine Erfahrungen zu teilen. Und schon schrumpft diese so große Welt auf das, was wichtig ist: das Miteinander, das Zuhören, den anderen so zu nehmen, wie er ist.
Sich auf die unterschiedlichsten Leute einlassen: auf die Stillen und Schüchternen, auf die Energiegeladenen und Einnehmenden, auf den Paradiesvogel, den man nicht so recht in eine Schublade sortieren kann, auf den Älteren, der seine eigene Geschwindigkeit hat und einen reichen Schatz an Erfahrungen, auf den Einzelgänger, der sein Leben lang allein war und trotzdem nicht traurig wirkt. Also die ganze Palette des Lebens, intensiv und direkt.
Man spricht nicht in seiner Muttersprache. Oft fällt es einem schwer, die richtigen Worte zu finden für das, was man fühlt und gern erzählen möchte, und trotzdem verstehen einen die Menschen. Man fängt langsam an, auf Englisch zu träumen, das eine oder andere finnische Wort kann man auf einmal doch richtig aussprechen, und die täglichen Wege werden einem vertrauter. Es passiert so viel mit einem, wenn man einmal nicht in seinem Safe Space bleibt, die Menschen verlässt, die man liebt, und sich aufmacht, Neues zu entdecken.
Dieses Abschiedsessen hat Minttu organisiert, wie so vieles in diesen zwei Wochen. Ein langer Tisch, alles selbst gemacht, und auf dem zweiten Tisch lagen alle Bilder ausgebreitet, damit jeder in Ruhe schauen konnte. Dafür möchte ich mich bei allen Menschen bedanken, die ich hier kennenlernen durfte und die mir immer offen und positiv, manchmal auch etwas zurückhaltend begegnet sind.
Danke an Minttu, Terho, Anu, Tuire, Tommi, Heikki, Teemu, Outi, Eeva, Erkki, Timo, Susanna, Lady Misty May, Pekka, Gabriel, Hanna, Rolf, Ville, Sami, Kathri, Janne und Noo.
Auf bald in dieser kleinen schönen Stadt, umgeben von so viel Grün und dem Wasser, das hier dein ständiger Begleiter ist, sei es am Fluss, an den Seen oder als Regen von oben. Mir bleibt nur zu sagen: Kiitos, Hämeenlinna.
Kiitos, Hämeenlinna.“Letzte Notiz aus der Residenz