Eine Galerie für Hämeenlinna
Nur wie löse ich das Problem, dass ich bald nicht mehr hier vor Ort bin? Und noch ein Punkt war mir wichtig: die Wertschöpfung. Wäre es nicht schön, wenn die Menschen hier auch etwas davon hätten? Der Rahmen, in dem ich mich bewege, ist klein und bescheiden, aber mir ist es wichtig, die Menschen einzubeziehen, die ich hier kennengelernt habe und ohne die meine Bilder nie an die Wand gekommen wären.
So ist diese Idee entstanden: Wer mag, sucht sich sein Lieblingsmotiv in der eigens dafür gebauten Onlinegalerie aus und bestellt es bei mir. Ich schicke die Daten an den Fotoladen und bezahle dort den Druck. Und wer möchte, geht anschließend mit seinem Bild zur Rahmenmacherin und lässt es sich individuell rahmen. So haben alle etwas davon, nicht nur eine Person, weit weg von Hämeenlinna. Ob das funktioniert, weiß ich nicht. Ausprobieren möchte ich es aber.
Da sind zum einen Heikki und Teemu Löflund, Vater und Sohn, die zusammen den Fotoladen Raatikuva betreiben. Heikki hat als Junge mit der Kodak Brownie seines Vaters fotografiert und 1987 seinen eigenen Laden gegründet, seitdem ist Raatikuva die Anlaufstelle der Stadt für alles, was mit Fotografie zu tun hat: Zubehör, Filmentwicklung, Beratung. Und mitten im Laden steht ein großer Epson FineArt-Drucker, wie man ihn sonst eher in einer Großdruckerei vermuten würde.
Genau auf dieser Maschine sind meine großen Drucke entstanden, auf Hahnemühle-Papier, mit einer Sorgfalt, wie ich sie mir besser nicht wünschen kann. Die beiden haben sich in die Motive hineingedacht, Probedrucke gemacht, Papiere verglichen. Wenn künftig jemand ein Bild aus der Galerie bestellt, wird es hier gedruckt, ein paar Straßen von den Orten entfernt, an denen es aufgenommen wurde.
Und da ist Anu Halmeniemi, die sehr kommunikative Rahmenmacherin. Ihre Werkstatt RaamiDaamit ist weit mehr als eine Werkstatt: Aus einem leerstehenden Ladenlokal hat sie eine Einrahmungswerkstatt mit Kleingalerie gemacht, sechs kleine Ausstellungsräume unter einem Dach, bis hinunter in den Keller. Bei ihr eröffnete in diesem Sommer auch Skarpit at Hämpton, die Jahresausstellung der finnischen Karikaturisten- und Pressezeichner-Gilde, von der eine frühere Geschichte erzählt.
Anu rahmt gerade meine Bilder, Bild für Bild, mit Passepartout und nach Maß. Wer sich später ein Motiv aus der Galerie drucken lässt, kann damit zu ihr gehen und bekommt einen Rahmen, der wirklich zu dem Bild gehört. Genau diese Handarbeit ist es, die aus einem Druck ein Werk an der Wand macht.
In der Ausstellung hängt jetzt eine Infotafel mit QR-Code und dem Link zur Galerie mit allen Bildern. Der Text dort ist natürlich auf Finnisch, und auch hier hat mir der liebe Terho wieder geholfen und mich bei der Übersetzung unterstützt. Die Galerie selbst startet deshalb ebenfalls auf Finnisch, mit einer englischen Fassung dahinter: 161 Motive aus den beiden Serien, gedruckt wird jedes bestellte Bild bei Raatikuva auf Hahnemühle-Papier, und nur mein Anteil reist nach Deutschland zurück.
Ein Projekt, das wachsen könnte, so wie mein Digital Garden hier auf der Website. Wenn ich im nächsten Jahr zurückkehre, bauen wir diese Ideen weiter aus. Denn genau darum geht es bei so einem Austausch: eine Brücke zwischen den Menschen hier und uns zu bauen, sich kreativ gegenseitig zu inspirieren, sich zu verständigen, Freundschaften zu knüpfen und Verständnis für die Sorgen der anderen zu entwickeln. Uns verbindet viel mehr, als uns unterscheidet. Das fällt mir jedes Mal auf, wenn wir hier über das Alltägliche sprechen.
Toll, so eine Chance bekommen zu haben. Und dieser Dank geht ganz klar an Minttu Saarinen, die das alles hier auf die Beine gestellt hat und organisiert, neben ihrer eigenen künstlerischen Arbeit. Und die ist beachtlich: Minttu ist Malerin und Community-Künstlerin, ihre Arbeiten kreisen um nordische Folklore und das Verhältnis von Mensch und Natur. Gerade zeigt sie eine Ausstellung im Kulturerbe-Zentrum in Kaustinen, als Nächstes stehen ihre Einzelausstellung Läpi in der Kunsthalle Häme und Residenzen im Künstlerhaus Lukas in Ahrenshoop und bei Johannevik an. Das Residenzleben kennt sie also von beiden Seiten, als Gastgeberin wie als Gast, unter anderem war sie in der Serlachius-Residenz in Mänttä. Und der Kreis schließt sich auch hier: 2022 hat sie selbst in Celle ausgestellt. Danke, Minttu.
So haben alle etwas davon, nicht nur eine Person, weit weg von Hämeenlinna.“Notiz aus der Rahmenwerkstatt