Eine riesige Industriehalle von oben, in der Mitte eine leuchtende Kugel aus Licht, Bambus in Pflanzkästen, weiße Wände und verteilte Besucher
Vor Ort · Geschichte 23 · 1. Oktober 2026

Eine Gießerei voller Kunst

SpurGedanke
Diese Geschichte knüpft an: Ein neues Beet: Ausstellungen, die ich besuche, und was ich davon mitbringe.
Spur

Der Weg zur NordArt beginnt erstaunlich unspektakulär, mit einer Zufahrt, ein paar Fahrradständern und einem Gebäude mit grüner Glasfassade. Erst ein paar Schritte weiter öffnet sich der Park, und zwischen alten Bäumen, einem Teich und weiten Wiesen stehen die ersten Skulpturen. Manche sind so groß, dass eine ganze Führung in ihrem Schatten Platz findet, andere so klein, dass man im Vorbeigehen fast über sie hinwegsieht. Am 1. Oktober war ich dort, mit der Kamera, und bin bis in den Nachmittag geblieben.

Die Carlshütte wurde 1827 gegründet, als Eisengießerei und als erste Industrieansiedlung in den damaligen Herzogtümern Schleswig und Holstein. Gegossen wurde hier bis 1997. Danach übernahm Hans-Julius Ahlmann, Gesellschafter der ACO Gruppe, das Gelände, und seit 1999 findet in den alten Hallen jeden Sommer die NordArt statt. Die Kunst hat die Gießerei dabei nicht ersetzt, sie ist bei ihr eingezogen. Stahlträger, raue Wände, Gruben im Boden und dunkle Ecken mit rostigen Anlagen sind noch da, und manche Arbeit sieht vor diesem Hintergrund anders aus, als sie es in einem weißen Museumssaal täte.

01
“Die Kunst hat die Gießerei nicht ersetzt. Sie ist bei ihr eingezogen.”
Der Skulpturenpark
Die Zufahrt zum Gelände mit Bäumen, Fahrradständern und einem Gebäude mit grüner Glasfassade
Im Skulpturenpark
Eine weiße, überlebensgroße Figur im Laufschritt auf der Wiese, davor eine Besuchergruppe
Su Xinping, Ansammlung, 2021, Bronze · Sonderprojekt „Landscape of Thought“
Eine hohe Skulptur aus vielen gebogenen, rostbraunen Lamellen auf einem hellen Sockel im Park
Jan Dostál, Toroid, 2025, Cortenstahl · (Katalog) „Die Skulptur ist räumlich so angelegt, dass man unter ihr durchwandern kann.“
Eine große Skulptur aus rotem Cortenstahl mit kantigen Formen, darunter ein Besucher
Jörg Plickat, Dialogue Beyond Borders, 2025/2026, Cortenstahl · „Die Skulptur ist ein Postulat, … wieder zur Sprache der Diplomatie zurückzukehren.“
Ein roter Würfel, schräg über dem Weg schwebend, daneben der Stamm einer Platane
Matteo Marchetti, Großer dicker roter Würfel, 2024, Stahl, Farbe · „Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht die Luft.“
Ein Teich mit Seerosen und hellen Stelen im Wasser, im Hintergrund Wiese, Bäume und eine rote Skulptur
Im Skulpturenpark
Ein Mann geht über Trittsteine am Teich, im Hintergrund Skulpturen am Ufer
Im Skulpturenpark
Eine schwarze, gewundene Skulptur wie ein gefaltetes Band auf einem grauen Steinsockel
Im Skulpturenpark
Eine schlanke, sitzende Figur aus einem netzartigen Material mit sehr langen Beinen auf der Wiese
Michal Gabriel, Buddha, 2017–2021, Bronze · (Katalog) „Meditation durch Bewegung“
Eine weiße, gestapelte Steinskulptur auf einem Sockel, dahinter Besucher auf einer Bank unter Bäumen
Tuvshinjargal Jambal, Verflochten in drei Zeiten, 2025, mongolischer Marmor
Ein Feld aus vielen großen Findlingen, auf einem ein Turm aus gestapelten Steinen, dahinter eine lange weiße Halle
Im Skulpturenpark
Blick durch eine Öffnung in einer hellen Steinskulptur hinaus auf Wiese und Bäume
Im Skulpturenpark
Eine hohe, weiße Steinform mit eingeschnittenen Öffnungen auf einem Sockel, dahinter alte Bäume
Nando Álvarez, Regen, 2016, portugiesischer Marmor, entstanden auf dem NordArt-Symposium 2016
Eine mächtige Buche mit breiten Wurzeln, in der Ferne Skulpturen im Park
Im Skulpturenpark
Ein Turm aus rostroten, sechseckigen Rahmen auf der Wiese, daneben eine Hecke und ein Baum mit dunkelrotem Laub
Zhu Lin, Totem des Lebens, 2025, Cortenstahl · (Katalog) als Doppelhelix angelegt, wie DNA
Nahaufnahme einer silbernen Skulptur wie eine Lotusschote, in deren Mulden verspiegelte Kugeln liegen
Zeng Chenggang, Lotos Gespräche, 2010, Edelstahl, Dauerleihgabe an die NordArt
Eine große, silbern glänzende, zerknitterte Form wie eine Muschel auf der Wiese, Besucher dahinter
Zeng Chenggang, Lotos Gespräche, 2010, Edelstahl, Dauerleihgabe an die NordArt
Eine kleine, kantige Skulptur aus Edelstahl auf einer weiten Wiese mit Herbstlaub
Im Skulpturenpark
Eine bunte, facettierte Pferdeskulptur mit einer pinkfarbenen Figur auf der Wiese unter Bäumen
Paweł Orłowski, Veni Vidi Vici I–II, 2022, Stahlblech, lackiert · „Meine Skulpturen fragen, wer sichtbar ist und wer nicht.“
Ein Weg durch den Park mit einer Steinskulptur aus zwei Rauten, im Hintergrund ein rotes Backsteinhaus
Gheorghi Filin, Endless for Love, 2013, Carrara-Marmor, Granit, NordArt-Symposium 2013
Eine lange, weiß verputzte Halle mit grauem Dach, davor Steine auf Stangen und Besucher auf dem Weg
Im Skulpturenpark
Eine rote Skulptur aus offenen, kantigen Rahmen neben einem geschwungenen Weg, Besucher daneben
Jörg Haberland, Ti Penso Spesso, 1997, Stahl, bemalt · (Katalog) „Ich denke oft an dich“, nach dem Haus vom Nikolaus
Zwei hohe, aufrechte Steinplatten auf einem hellen Feld, dahinter Trauerweiden
Urs-P. Twellmann, Eiche vierteilig, 2026, Eiche
Die Kamera nähert sich Jan Dostáls Skulptur aus gebogenen Cortenstahl-Lamellen im Park
Bewegtbild · 0:05
Die Kamera gleitet nah an den Stahl-Lamellen derselben Skulptur entlang
Bewegtbild · 0:05
Jan Dostál, Toroid, 2025, Cortenstahl
Langsame Kamerafahrt durch die große Halle, oben die leuchtende Kugel, unten Besucher auf Sand und Steinen
Bewegtbild · 0:07
Wang Yuyang, Künstlicher Mond, 2007, in der großen Halle
Eine Industriehalle mit Kiesboden und Steinen, eine silbern glänzende Skulptur, Besucher und ein großer Leuchtkörper unter dem Dach
Eine helle Halle mit Sandboden, eine riesige liegende Spirale unter dem Dach und kahle Äste, die weit in den Raum ragen
Besucher stehen um eine große, liegende Form aus dunklem Metall auf einem Podest
Alte, raue Hallenwände mit Stahlträgern, darüber eine gewaltige Spirale, unten ein einzelner Besucher
Blick von oben in eine Halle mit Sandboden, Besucher zwischen kahlen Ästen und weißen Wänden
Eine riesige Halle von oben, in der Mitte eine leuchtende Kugel aus Licht, Bambus und weiße Wände, Besucher verteilt im Raum
Eine weiße Wand mit zwei geschwungenen Holzskulpturen zwischen alten Stahlstützen, eine Besucherin daneben
Eine weite Halle mit Stahlstützen und Oberlichtern, weiße Ausstellungswände mit Skulpturen und Bildern
Eine silberne, gestapelte Skulptur in einem flachen Wasserbecken, davor zwei Besucher, dahinter Bilder an einer weißen Wand
Ein großer Kopf im Profil aus silbernen Metallschichten am Rand eines Wasserbeckens, dahinter die Halle
Eine stehende Figur auf einem Steg im Wasserbecken, ihr Spiegelbild darunter, im Hintergrund Besucher
Eine große Installation aus einem Kampfjet, einem schwarzen Auto und Bildschirmen, ein Besucher beugt sich darüber
Eine dunkle Halle in rotem Licht mit alten Industrieanlagen, oben eine Tierskulptur, unten zwei Besucherinnen
Eine dunkle Halle in blauem und rotem Licht, auf einer rostigen Wand eine Skulptur wie ein Saurier
Die Installation mit Kampfjet und Auto aus der Entfernung, davor ein Besucher, dahinter Bilder an der Wand
Zwei weiß verhüllte Sessel stehen im Wasser, dahinter ein weißer Raum mit Bild und Besuchern
Hohe, weiße, gefaltete Skulpturen auf einer Plattform, daneben eine Stahltreppe in der Halle
Weiße Raumkuben in der Halle, Kiesflächen mit Rostkanten, Besucher auf dem Weg
Ein heller Holzsteg führt zwischen weißen Wänden über ein Wasserbecken, am Ende zwei Besucher
Zwei weiß verhüllte Sessel im Wasser vor einem großen, bunten Gemälde
Eine leere, weite Halle, unter dem Dach silbern zerknitterte Formen, rechts ein großes Bild
Weiße Ausstellungskuben auf Kies, ein Mann geht vorbei, in einer Öffnung ein Bild mit roten Früchten
Silbern glänzende, zerknitterte Formen schweben wie Wolken unter dem Hallendach über einer Grube
Die silberne, gestapelte Skulptur im Wasserbecken vor einer weißen Wand mit Bildern, Besucher davor
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In den HallenZhan Wang, Kunstfelsen Nr. A177, 2019, Edelstahl · Sonderprojekt „Landscape of Thought“
Kamerafahrt über den Holzsteg zwischen weißen Ausstellungskuben und Wasserbecken
Bewegtbild · 0:14
In den Hallen der Carlshütte
Hochkant: die leuchtende Kugel unter dem Hallendach, darunter Besucher
Bewegtbild · 0:06
Hochkant: Fahrt über den Steg zwischen den Wasserbecken
Bewegtbild · 0:13
Wang Yuyang, Künstlicher Mond, 2007 · der Steg in der großen Halle
Nach oben geschaut
Hochformat: kahle Äste und eine lange Spirale schweben durch die Halle, unten winzig ein Mensch
Meng Baishen, Suspension, 2016–2017, Bleistift auf Holz (Segmente vom Baum)
Hochformat: Blick von oben auf eine Halle mit Bambus in Pflanzkästen, großen Zeichnungen und zwei Besuchern
In den Hallen der Carlshütte
Hochformat: eine liegende, grün verhüllte Figur auf rotem Grund auf dem Sandboden der Halle, dahinter ein Bild
Egons Peršēvics, Die Legende der Karosta-Meerjungfrau, 2020, Polyesterharz, Glasfaser
Hochformat: eine hohe silberne, gestapelte Skulptur spiegelt sich im Wasserbecken
Ronald A. Westerhuis, Air, 2022, hochglanzpolierter Edelstahl
Gedanke

Seit 2000 gibt es zusätzlich das NordArt-Symposium. Künstlerinnen und Künstler leben und arbeiten dann vor der Ausstellung mehrere Wochen auf dem Gelände, und manche Arbeit, die dabei entsteht, bleibt anschließend da. So wächst der Park von Jahr zu Jahr ein Stück weiter. Die große Drahtskulptur von Ochirbold Ayurzana ist 2015 auf dem Symposium entstanden und gehört heute zu den dauerhaften Arbeiten. Zu ihr komme ich in der nächsten Geschichte noch einmal zurück, sie gehört zu meinen vier Favoriten.

Seit 2010 vergeben Hans-Julius und Johanna Ahlmann außerdem den NordArt-Preis, dotiert mit 10.000 Euro. Dazu kommen drei Publikumspreise, über die die Besucherinnen und Besucher abstimmen. Unter den Preisträgern der vergangenen Jahre sind David Černý, Michal Gabriel, Ochirbold Ayurzana, Xiang Jing und Ekaterina Zacharova. Wer ausgezeichnet wird, ist zur nächsten NordArt wieder eingeladen, was ich für eine schöne Form von Preis halte: Man bekommt nicht nur etwas, man darf auch wiederkommen.

03
“Ein Teil der Kunst entsteht hier, und manches bleibt.”
Eine kleinere Halle
Eine helle Halle mit weißem Holzdachstuhl, an den Wänden farbige Gemälde, in der Mitte eine Skulptur
In einer der kleineren Hallen
Drei großformatige, farbintensive Gemälde mit Figuren in Rot, Grün und Blau an weißen Wänden
In einer der kleineren Hallen
Ein weißer Stützpfeiler vor einem bunten, bewegten Gemälde, dahinter weitere Bilder
In einer der kleineren Hallen
Zwei Gemälde nebeneinander, eines mit einer Figur in Rot, eines mit einem roten Pferd und einer Gestalt in Gewändern
In einer der kleineren Hallen
Spur

Die NordArt 2026 läuft vom 6. Juni bis zum 4. Oktober im Kunstwerk Carlshütte in Büdelsdorf bei Rendsburg, Dienstag bis Sonntag von 11 bis 19 Uhr, auch an Feiertagen. Es ist die 27. Ausgabe seit 1999. Wer es in diesem Jahr nicht mehr schafft, hat im nächsten Sommer die nächste Gelegenheit. Was mich an diesem Tag persönlich am meisten beschäftigt hat, steht in der nächsten Geschichte.