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Blick unter dem auskragenden Dach von Dokk1 hindurch auf die Skyline von Aarhus Ø, rechts eine Stütze
Aarhus · Geschichte 26 · 18. Oktober 2026

Eine Stadt baut an ihrer Kante

SpurGedanke
Diese Geschichte knüpft an: Ein neues Beet: Orte, an denen ich unterwegs war, und was ihre Architektur erzählt.
Spur

Man kommt in Aarhus fast zwangsläufig an Dokk1 vorbei, wenn man zum Wasser will. Das Haus steht dort, wo die Aarhus Å ins Hafenbecken mündet, auf einem Platz, der nach Hack Kampmann benannt ist, dem Architekten des alten Zollhauses gleich nebenan. Ich war am 18. Oktober dort, an einem Tag mit tiefem, klarem Herbstlicht, und bin von der Bibliothek aus einfach weitergegangen, über die Kais bis auf eine Pier, auf der gerade ausprobiert wird, was ein Park im Hafen sein kann.

Entworfen haben Dokk1 Schmidt Hammer Lassen Architects, die Freiräume drumherum das Büro von Kristine Jensen. Der Wettbewerb lief 2009, eröffnet wurde am 20. Juni 2015. Das Haus besteht im Grunde aus drei Schichten: unten ein Sockel mit breiten Freitreppen, darauf ein Prisma aus Glas, in dem die öffentliche Bibliothek liegt, und darüber eine flache, vielkantige Scheibe mit Büros, die weit über die Terrassen hinausragt. Die Architekten nennen sie eine polygonale Scheibe, und weil sie in alle Richtungen gleich ausgreift, hat das Gebäude keine Rückseite. Man steht unter diesem Dach wie unter einem sehr großen Vordach und merkt erst nach einer Weile, dass man eigentlich schon mitten im Haus ist.

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“Weil die Scheibe in alle Richtungen gleich ausgreift, hat das Haus keine Rückseite.”
Dokk1
Die weit auskragende Unterseite von Dokk1 über einer Brüstung, darauf eine große Tierfigur, blauer Himmel
Unter der Scheibe von Dokk1
Ein schlanker Wohnturm hinter einer breiten Freitreppe und der Ecke von Dokk1
Der Lighthouse-Turm hinter dem Sockel von Dokk1
Eine weite Terrasse unter dem überstehenden Dach, Glasfassade und Bänke
Die Terrasse unter dem Dach
Eine Betonstütze vor der grün spiegelnden Glasfassade, in der sich die Stadt zeigt
Das gläserne Prisma der Bibliothek
Blick unter dem auskragenden Dach hindurch auf die Skyline von Aarhus Ø, rechts eine Stütze
Blick von Dokk1 nach Aarhus Ø
Von oben auf eine Straße mit Autos, links ein Bürobau, im Hintergrund die Altstadt mit Kirchturm
Blick in die Stadt
Eine große Tierskulptur auf der Terrasse unter dem Dach, dahinter Hafen, Silos und einige Menschen
Auf der Terrasse von Dokk1
Dichte, hohe grüne Stelen wie riesige Grashalme auf grünem Boden
Grüne Stelen auf der Terrasse
Drinnen
Eine Wand mit vielen kleinen Tütchen in Fächern, daneben ein handgeschriebenes Schild und Pflanzen
In der Bibliothek
Regale mit Büchern und Gegenständen, runde Tische, eine große Lampe
In der Bibliothek
Ein Regal voller Pflanzen in Töpfen vor einer Betonwand
In der Bibliothek
Ein weites Foyer mit glänzendem Boden, Holzdecke und Leuchten über einem Tresen
Das Foyer
Raumhohe Fenster mit Blick auf den Hafen, davor Möbel und ein Zeitschriftenständer
Blick aus der Bibliothek auf den Hafen
Spur

Von der Terrasse aus sieht man hinüber nach Aarhus Ø, und dort ist die Geschichte noch nicht fertig. Das Gebiet war bis vor gut zwanzig Jahren Containerhafen. 1997 beschloss der Stadtrat, den Hafen nach außen zu erweitern, wodurch die alten, innenstadtnahen Flächen frei wurden. 1999 folgte ein offener Ideenwettbewerb mit rund 150 Beiträgen, dessen Siegeridee sich mit einem Satz zusammenfassen lässt: der Stadt ihre Kante zum Meer zurückgeben. 2003 kam der Gesamtplan, 2007 übernahm die Kommune die ersten Flächen auf Pier 4, 2012 zogen die ersten Bewohner ein, und seit 2013 heißt das Viertel Aarhus Ø. Ein Viertel der Wohnungen ist gefördert, alle Gebäude sind als Niedrigenergiehäuser geplant, und Kanäle teilen das Gelände in Inseln.

Was dabei entsteht, ist erstaunlich verschieden. Das Bürohaus von Bestseller, entworfen von C.F. Møller, hat Fassaden aus hellem sizilianischem Naturstein mit tiefen Fensternischen, in denen das Licht im Lauf des Tages wandert, und bekam 2015 den Architekturpreis der Stadt. Navitas, das Haus der Ingenieurhochschule der Universität Aarhus von Kjær & Richter und Christensen & Co, wurde 2014 fertig. Und über allem steht der Lighthouse, ein Wohnturm von 3XN mit rund 140 Metern, hervorgegangen aus einem Wettbewerb, den 3XN und UNStudio 2007 für Pier 4 gewonnen hatten. Zwischen diesen Bauten stehen noch immer die blauen Hafenkräne, und ich bin mir nicht sicher, ob das Absicht ist oder einfach noch niemand dazu gekommen ist, sie abzubauen. Vielleicht beides.

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“Der Stadt ihre Kante zum Meer zurückgeben.”
Aarhus Ø
Weites dunkelblaues Wasser, am Horizont ein blauer Hafenkran und flache Hallen
Der Hafen
Blick über das Hafenbecken auf einen flachen Bau, einen Wohnturm und eine Kuppel am Ufer
Über das Wasser nach Pier 2
Eine Holzterrasse mit Bänken unter zwei Bäumen, im Hintergrund Neubauten und ein Turm
Auf Aarhus Ø
Ein heller Betonblock mit einem großen P, dahinter ein Glasbau auf schlanken Stützen
Auf Aarhus Ø
Zwei Bürobauten mit hellen Natursteinrahmen und tiefen Fensternischen, davor ein Platz
Helle Natursteinfassaden auf Aarhus Ø
Hochformat: eine Natursteinfassade mit tiefen Nischen, dahinter blaues Glas im Schatten
Licht und Schatten in den Fensternischen
Hochformat: eine dunkle Glasfassade über einer Kaimauer am Wasser
Auf Aarhus Ø
Hochformat: weiße, eckige Stützen in einem hellen Innenraum, an der Wand Wegweiser
Stützen im Inneren
Ein Café hinter einer Glasfront, Stühle und Tische im Sonnenlicht, draußen Bäume
Auf Aarhus Ø
Ein Holzbalken auf rotem Sportbelag mit weißen Linien, langer Schatten
Ein Balken, ein Schatten
Ein Kanal mit hölzernen Sitzstufen, rechts Glasbauten, hinten der Lighthouse-Turm und ein Kran
Am Kanal
Eine liegende Bronzeskulptur auf einem Platz vor einem Backsteinbau, daneben ein Baum
Am Hafen
Pier 2
Ein wilder Park mit Gräsern und Sträuchern, dahinter moderne Bürobauten aus Glas
Der temporäre Stadtpark
Eine Kuppel aus Holz und Kunststoffplatten hinter Hochbeeten, rechts ein blauer Hafenkran
Domen und die Gärten von Pier 2
Hochbeete aus Holz, ein Weg und Bäume, hinten die Kuppel und ein Kran
Pier2 Haven
Eine große gelbe Vogelfigur aus Holz auf einer Wiese am Wasser
Auf Pier 2
Ein Wegweiser mit handbemalten Schildern vor der Kuppel
Auf Pier 2
Die Kuppel, ein Holzpfahl mit Vogelhaus und ein rotes Häuschen, dahinter Bürobauten
Auf Pier 2
Grasbewachsene Hügel am Wasser, ein Wohnwagen, gegenüber die Skyline der Stadt
Die Hügel aus Meeressand
Ein Weg über eine Wiese zu großen roten Buchstaben an der Spitze der Pier, dahinter das Meer
An der Spitze der Pier
Rote Holzbuchstaben mit Graffiti am Wasser, von hinten gesehen
Die Buchstaben von hinten
Die roten Buchstaben AARHUS mit Graffiti auf einer Kiesfläche
AARHUS
Ein schiefer Mast, ein Rettungsring und Wildblumen an der Kante zum Meer
An der Kante zum Meer
Ein dunkler hölzerner Rahmen, durch den man auf Wasser und einen Kran schaut
Auf Pier 2
Die Kuppel hinter einem grünen Ufer, davor ruhiges blaues Wasser
Domen vom Wasser aus
Gedanke

Mittendrin steht Domen. Die Kuppel ist das Dome of Visions 3.0 des Architekten Kristoffer Tejlgaard und wurde im Herbst 2016 eröffnet, kurz bevor Aarhus 2017 Kulturhauptstadt Europas war. Das Tragwerk ist aus Holz, die Hülle aus rautenförmig zugeschnittenen Platten aus Polycarbonat, rund 24 Meter im Durchmesser und zehneinhalb Meter hoch, mit etwa 450 Quadratmetern Grundfläche. Unter der Kuppel steht ein eigenes kleines Haus aus Brettsperrholz, und rundherum wachsen Pflanzen, die es draußen am dänischen Hafen nicht aushalten würden. Gedacht war das Ganze als Versuch, wie es sich unter einer Art Gewächshaus lebt und arbeitet.

Seit 2018 gehört Domen der Stadt und ist eines ihrer Bylivshuse, Häuser für das Stadtleben, die gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern betrieben werden. Es gibt ein Café mit ökologischem Angebot, Debatten, Kurse, Konzerte und gemeinsame Essen. Wie lange Kuppel und Park bleiben, ist offen. Bei der Aarhus Festuge 2026 wurde öffentlich über ihre Zukunft diskutiert, und der Entwicklungsplan für die Nachbarpier 3 aus dem Jahr 2025 sieht auf Pier 2 einen Stadtpark vor, keine Häuser. Für einen Park, der als Provisorium angetreten ist, ist das kein schlechtes Zwischenergebnis.

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“Für einen Park, der als Provisorium angetreten ist, kein schlechtes Zwischenergebnis.”
Unter der Kuppel
Unter der Kuppel ein Haus aus Holz mit Treppe, davor Stühle, Pflanzen und Holzhäcksel
Das Haus unter der Kuppel
Sonnenstrahlen fallen durch die Kuppel auf Bäume und das Holzhaus
Im Gewächshaus
Hochformat: das Tragwerk der Kuppel von innen, die Sonne als heller Fleck
Das Tragwerk von innen
Hochformat: die Außenhaut der Kuppel aus Rautenplatten, davor Gräser
Rautenplatten aus Polycarbonat
Holzreste, Werkbänke und Balken auf dem Platz neben der Kuppel
Werkplatz neben Domen
Die Kuppel mit Eingang, davor Planen und Holz auf dem Boden
Domen
Spur

Was mich an diesem Tag am meisten beschäftigt hat, ist das Nebeneinander. Auf der einen Seite des Wassers steht eine Bibliothek, die als fertiges Stück Stadt gebaut ist, präzise, teuer und auf Jahrzehnte angelegt. Auf der anderen Seite liegt ein Park aus Resten, der von Anfang an gesagt hat, dass er vielleicht nicht bleibt, und gerade deshalb Dinge ausprobieren darf. Dazwischen wächst ein ganzer Stadtteil, und die Kräne stehen noch. Aarhus baut an seiner Kante, und man kann ihr dabei zusehen.