Notiz · 27. Oktober 2026
[de]58/26Studio
Was Unternehmen jetzt wirklich tun können. Was an GEO belegt ist und was nicht.
GEO klingt nach einem neuen Fach. Wer nachliest, was Google, Bing und die Forschung dazu sagen, findet vor allem ein bekanntes wieder, und eine kurze Liste, die ein Unternehmen selbst in der Hand hat.
Ein neuer Name für eine bekannte Arbeit
Wer in den Antworten von ChatGPT, Perplexity oder den KI-Übersichten von Google vorkommen möchte, stößt bald auf ein neues Kürzel: GEO, Generative Engine Optimization. Es klingt nach einem Fach, das man erst noch lernen muss, am besten bald. Im Mai 2026 hat Google dazu einen eigenen Leitfaden veröffentlicht, und der fällt erstaunlich unaufgeregt aus. Die KI-Funktionen der Suche beruhen demnach auf denselben Systemen für Ranking und Qualität wie die übrige Suche, und GEO ist aus Googles Sicht schlicht Suchmaschinenoptimierung. Besondere Dateien braucht es nicht, besonderes Markup auch nicht, und Texte müssen nicht eigens für Maschinen in Häppchen zerlegt werden.
Hier spricht eine Plattform über ihre eigene Suche, und solche Auskünfte liest man besser mit etwas Abstand. Die Forschung zeigt allerdings in dieselbe Richtung.
Was belegt ist
Und dann ist da die Zahl von bis zu 40 Prozent mehr Sichtbarkeit. Sie stammt aus einer Studie von Forschenden um Pranjal Aggarwal, 2024 auf der Konferenz KDD veröffentlicht. Gemessen wurde in einem nachgebauten System: Das Sprachmodell GPT-3.5 bekam zu jeder Frage die ersten fünf Google-Treffer und schrieb daraus eine Antwort. Vorher war eine dieser Quellen umgeschrieben worden, ebenfalls von GPT-3.5, etwa mit eingefügten Zitaten oder Statistiken. Gezählt wurde, wie viel vom Antworttext auf diese Quelle entfiel, und dieser Anteil stieg um bis zu 40 Prozent. Das ist ein relativer Zuwachs auf einem Labormaß, gewonnen mit einem Modell von 2023 und englischen Fragen, und keine Aussage über Besucher oder gar Kunden.
Andere Forschende, unter anderem von der TU Darmstadt und den Universitäten Mannheim und Tübingen, haben solche Kniffe nachgeprüft und ihre Arbeit 2025 auf der Konferenz NeurIPS vorgestellt. Sie prüften zehn Methoden, acht davon aus der Studie um Aggarwal, mit vier Sprachmodellen und maßen dabei, auf welchem Platz eine Quelle unter den Zitaten einer Antwort landet. In einer Auswertung über 54 Fälle zeigten nur drei eine statistisch gesicherte Verbesserung, und viele Methoden schoben die Quelle sogar nach hinten. Deutlich mehr brachte es, unter den abgerufenen Dokumenten weit oben zu stehen, und genau darum kümmert sich klassische Suchmaschinenoptimierung ohnehin.
Wie es außerhalb des Labors aussieht, haben Mahe Chen und Nick Koudas im Oktober 2026 beschrieben. Sie haben 90 Tage lang echte Antworten von ChatGPT, Gemini und Perplexity zu Fragen rund um zwei Unternehmen ausgewertet. Vergleicht man Seiten derselben Website, hängen FAQ-Blöcke, Schema-Markup, Zusammenfassungs- und Autorenboxen und die Ladegeschwindigkeit nicht damit zusammen, wie oft eine Seite zitiert wird. In einer ihrer Auswertungen erklärte der Abruf, also ob die Suche des Modells eine Seite überhaupt findet, innerhalb einer Website 32 Prozent der Unterschiede, die Merkmale der Seite selbst 2,8 Prozent. Das sind Zusammenhänge, keine Ursachen, ermittelt mit englischen Fragen im amerikanischen Markt. Die Daten stammen aus der eigenen Messplattform der Autoren, und sie danken einem Anbieter von GEO-Dienstleistungen. Wertlos wird die Studie dadurch nicht, aber die Danksagung gehört dazu, wenn man sie zitiert.
Zitiert werden kann also nur, was abgerufen wird, und abgerufen wird, was gut auffindbar ist. Erst danach zählt, wie genau ein Text zur Frage passt.
Was sich nicht halten lässt
Eine Datei namens llms.txt ist keine Pflicht. Google ignoriert sie ausdrücklich, und in den Crawler-Dokumentationen von OpenAI, Anthropic und Perplexity, die wir gelesen haben, kommt sie als Signal nicht vor.
Auch FAQ-Blöcke und strukturierte Daten sind kein belegter Hebel für KI-Zitate. Ahrefs, ein Anbieter von SEO-Werkzeugen, hat 1.885 Seiten verfolgt, die strukturierte Daten nachgerüstet hatten: Bei ChatGPT und Googles AI Mode war kein Effekt nachweisbar, bei den KI-Übersichten sogar ein kleiner, statistisch gesicherter Rückgang, dessen Ursache offen ist. Das ist eine Anbieterstudie, und untersucht wurden nur Seiten, die schon häufig zitiert wurden. Sinnvoll bleiben strukturierte Daten trotzdem, damit eindeutig ist, wer hinter einer Seite steht.
Wer Erwähnungen kauft oder streut, damit eine KI ihn häufiger nennt, baut ebenfalls auf Sand. Zwar hängen Erwähnungen einer Marke im Netz laut einer weiteren Auswertung von Ahrefs mit ihren Nennungen in Googles KI-Übersichten zusammen, doch untersucht wurden nur Marken mit großer Reichweite, und ein Zusammenhang ist noch keine Wirkung. Google schreibt, unechte Erwähnungen zu sammeln helfe weniger als gedacht. Bing zählt Link-Schemata zu den verbotenen Praktiken. Und gefälschte Bewertungen abzugeben oder in Auftrag zu geben, ist gegenüber Verbrauchern nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb unzulässig.
Und wer Nennungen in KI-Antworten garantiert, verspricht mehr, als irgendjemand halten kann. Bing schreibt in seinen Leitlinien, GEO garantiere keine Zitate, OpenAI auf seiner Hilfeseite, die Platzierung in der ChatGPT-Suche sei nicht garantiert, und Google, niemand könne einen ersten Platz garantieren.
Was ein Unternehmen tun kann
Was übrig bleibt, ist eine kurze Liste, und das meiste davon liegt in der Hand des Unternehmens selbst.
- Erreichbar und lesbar sein. Was Google oder Bing nicht abrufen oder indexieren dürfen, erscheint auch in ihren KI-Antworten nicht als Quelle. Bei anderen Diensten ist die Grenze weniger scharf, eine Sperre ist dort also auch kein verlässlicher Schutz. Der eigentliche Text gehört ins ausgelieferte HTML: Die großen KI-Crawler, etwa die von OpenAI, Anthropic und Perplexity, führten in einer Auswertung des Hosting-Anbieters Vercel von Ende 2024 kein JavaScript aus. Googles Gemini greift dagegen auf die Seitendarstellung des Googlebot zurück.
- Klar sagen, was man tut, für wen und mit welcher Erfahrung. Google rät in seinem Leitfaden zu eigener Erfahrung und Perspektive statt austauschbarer Inhalte, Bing dazu, Namen einheitlich zu verwenden und die Kernaussage früh zu bringen. Für ein Unternehmen heißt das: eine Seite, auf der jemand, der es noch nicht kennt, nach wenigen Sätzen versteht, was hier angeboten wird, für wen und von wem.
- Echte Referenzen zeigen. Projekte mit Aufgabe, Ort und Vorgehen beschreiben, Auftraggeber nur mit ihrem Einverständnis nennen, Erwähnungen in Fachpresse oder bei Verbänden verlinken. Ob das die Nennungen in KI-Antworten erhöht, ist nicht bewiesen. Viele möchten eine KI-Antwort allerdings noch von einem Menschen bestätigt haben: Bei einer Befragung des Beratungsunternehmens Gartner, das selbst Vertriebsberatung verkauft, gaben 69 Prozent von 645 Einkäufern in Unternehmen an, KI-Ergebnisse lieber mit jemandem aus dem Vertrieb zu prüfen.
- Fakten aktuell halten. Der Bitkom, ein Interessenverband der Digitalwirtschaft, hat im Herbst 2025 gefragt: 42 Prozent derer, die mit KI im Internet suchen, haben schon falsche oder erfundene Informationen bekommen. OpenAI schreibt selbst, dass Ergebnisse und Quellenangaben der ChatGPT-Suche unvollständig, veraltet oder falsch sein können. An den Antworten kann ein Unternehmen wenig ändern, an seinen eigenen Angaben sehr wohl, auch auf fremden Seiten, alte Profile und Pressemitteilungen eingeschlossen.
- Ehrlich messen. Ein festes KI-Ranking gibt es nicht; wie stark die Antworten schwanken, stand im ersten Beitrag dieser Reihe. Wer selbst nachfragt, stellt jede Frage mehrmals und hält die Antworten vollständig und mit Datum fest. Die Search Console von Google zeigt seit Ende August 2026 einen Bericht mit Impressionen in den KI-Funktionen; Klicks werden dort nicht ausgewiesen. Bing hat im Februar 2026 eine öffentliche Vorschau in seinen Webmaster Tools vorgestellt, die zeigt, wie oft Seiten in Copilot und den KI-Zusammenfassungen von Bing zitiert werden. Vor Werkzeugen, die Rankingerfolge oder Einblick in interne Daten versprechen, warnt Google selbst.
Bei mir nachgesehen
Ende Oktober 2026 haben wir meine eigene Website geprüft, nur lesend, alle 264 Seiten aus der Sitemap. Technisch steht sie im Großen und Ganzen gut da: Jede Seite lässt sich aufrufen und indexieren, der Text steht im ausgelieferten HTML, und jedes Bild hat einen Alttext oder ist bewusst als Schmuck gekennzeichnet. Ein paar Fehler gab es trotzdem, etwa Sprachverweise, die auf weitergeleitete Adressen zeigen. Die für diese Frage wichtigeren Lücken lagen aber bei der Beschreibung.
Im Hauptbereich meiner Startseite stehen, ohne Navigation, nur etwa 44 Wörter sichtbarer Text. Wer ich bin, was ich mache und wo, steht dort nur in der Beschreibung für Suchmaschinen und in den strukturierten Daten, also an Stellen, die ein Besucher der Seite nicht zu sehen bekommt. Für jemanden, der gerade über klare Beschreibungen schreibt, ist das ein naheliegender Anfang. Die Seiten von Kenala, meinem eigenen Werkzeug, sind in ihren strukturierten Daten nicht eindeutig mit mir als Person verbunden. Vier Bilddateien, die wir stichprobenhaft geprüft haben, enthalten keine Angaben zu Urheber und Lizenz; nur im Vorschaubild für soziale Netzwerke steht mein Name in den Bilddaten. Und auf einem Presseportal steht noch eine Mitteilung von 2020 mit meinem alten Firmennamen, einer früheren Anschrift und der alten Domain.
Nichts davon ist dramatisch. Es sind aber genau die Stellen, an denen eine fremde Antwort über ein Unternehmen ungenau werden kann, und keine davon hätte ein GEO-Kniff behoben.
Ob eine KI mein Studio danach genauer beschreibt, weiß ich noch nicht. Das will ich messen, bevor ich es behaupte.
Quellen
Alle abgerufen am 27.10.2026.
- Google Search Central: „Google’s Guide to Optimizing for Generative AI Features on Google Search“, erschienen 15.05.2026, aktualisiert 10.07.2026. https://developers.google.com/search/docs/fundamentals/ai-optimization-guide
- Google Search Central: „KI-Funktionen und Ihre Website“, aktualisiert 31.12.2025 (englische Fassung 10.12.2025). https://developers.google.com/search/docs/appearance/ai-features?hl=de
- Aggarwal, Murahari, Rajpurohit, Kalyan, Narasimhan, Deshpande: „GEO: Generative Engine Optimization“, KDD 2024, Preprint arXiv 2311.09735. https://arxiv.org/abs/2311.09735
- Puerto, Gubri, Green, Oh, Yun: „C-SEO Bench: Does Conversational SEO Work?“, NeurIPS 2025, Datasets and Benchmarks Track. https://arxiv.org/abs/2506.11097 und https://papers.neurips.cc/paper_files/paper/2025/hash/27aa3aeff0f8460a7b43d30fa6c5c032-Abstract-Datasets_and_Benchmarks_Track.html
- Chen, Koudas: „What Drives AI Citations? Content, Retrieval and Model Knowledge in Generative Engine Optimization (GEO)“, Preprint, 10.10.2026 (Daten 24.06. bis 21.09.2026; die Autoren danken einem Anbieter von GEO-Dienstleistungen). https://arxiv.org/abs/2610.15033
- Ahrefs (Louise Linehan): „We Tracked 1,885 Pages Adding Schema. AI Citations Barely Moved.“, 11.05.2026, Anbieterstudie. https://ahrefs.com/blog/schema-ai-citations/
- Ahrefs (Louise Linehan): „An Analysis of AI Overview Brand Visibility Factors (75K Brands Studied)“, 26.05.2025, Anbieterstudie. https://ahrefs.com/blog/ai-overview-brand-correlation/
- OpenAI: „Overview of OpenAI Crawlers“. https://developers.openai.com/api/docs/bots
- Anthropic: „Does Anthropic crawl data from the web, and how can site owners block the crawler?“, 07.04.2026. https://support.claude.com/en/articles/8896518
- Perplexity: „Perplexity Crawlers“. https://docs.perplexity.ai/guides/bots
- Bing Webmaster Guidelines. https://www.bing.com/webmasters/help/webmaster-guidelines-30fba23a
- OpenAI Help Center: „Searching the web with ChatGPT“, Stand Oktober 2026. https://help.openai.com/en/articles/9237897-searching-the-web-with-chatgpt
- Google Search Central: „Do You Need an SEO?“, aktualisiert 05.06.2026. https://developers.google.com/search/docs/fundamentals/do-i-need-seo
- Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, Anhang (zu § 3 Absatz 3), Nr. 23c. https://www.gesetze-im-internet.de/uwg_2004/anhang.html
- Vercel und MERJ: „The rise of the AI crawler“, 17.12.2024, Anbieterstudie. https://vercel.com/blog/the-rise-of-the-ai-crawler
- Gartner: „Gartner Survey Finds 69% of B2B Buyers Turn to Sales Reps to Validate AI-Generated Insights“, 20.05.2026 (645 B2B-Einkäufer). https://www.gartner.com/en/newsroom/press-releases/2026-05-20-gartner-survey-finds-sixty-nine-percent-of-b-two-b-buyers-turn-to-sales-reps-to-validate-ai-generated-insights
- Bitkom: „Internet-Suche im Wandel: Die Hälfte nutzt bereits KI-Chats“, 20.11.2025. https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Internet-Suche-Wandel-Haelfte-nutzt-KI-Chats
- Google Search Console Help: „Generative AI performance report (Search)“, für alle Websites seit 31.08.2026. https://support.google.com/webmasters/answer/16984139?hl=en
- Bing Webmaster Blog: „Introducing AI Performance in Bing Webmaster Tools Public Preview“, 10.02.2026. https://blogs.bing.com/webmaster/February-2026/Introducing-AI-Performance-in-Bing-Webmaster-Tools-Public-Preview
- Eigene Prüfung von roman-thomas.de und kenala.de am 27.10.2026, nur lesend (nicht veröffentlicht).
